Berufsbild – Technischer Redakteur

Nadine Wabnitz, Technische Redakteurin bei den Docuneers, gibt uns heute einen Einblick in ihren Berufsalltag. Was macht ein Technischer Redakteur den lieben langen Tag? Wie geht er oder sie vor, wenn eine Anleitung zu schreiben ist? Und welche Fähigkeiten sollte man für diesen Beruf mitbringen?

 

„Ein Technischer Redakteur ist ein Vermittler zwischen Fachleuten und „Nicht-Fachleuten“. So oder so ähnlich versuche ich immer mein Berufsbild zu beschreiben, wenn ich gefragt werde, was ich den lieben, langen Tag so treibe. Wir Technischen Redakteure sind noch immer ein ziemliches Nischenprodukt, aber unser Beruf erfreut sich seit einigen Jahren wachsender Beliebtheit. Wenn ich mal wieder in einem bekannten, businessbasierten sozialen Netzwerk (das mit dem X) unterwegs bin, werde ich von den dort offerierten Jobs nur so erschlagen. Die Anzahl der als Technischer Redakteur tätigen Menschen und die Nachfrage nach diesen stieg in den letzten Jahren exorbitant. Okay, zugegeben, auch mein Grund dieses Studium zu beginnen, war unter anderem der Satz: 100% Vermittlungschance nach dem Abschluss. Aber nicht nur mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium lässt sich Fuß fassen in unserer Branche, auch für einen Quereinstieg gibt es seit jeher viele Möglichkeiten.

 

 

Aber was tut ein Technischer Redakteur?

 

Richtig, Anleitungen schreiben! Aber falsch, nicht die Art Bedienungsanleitung, die niemand versteht oder lesen möchte und die nach erfolgreicher Inbetriebnahme im Keller verschwinden. Hier liegt der entscheidende Unterschied – wir schreiben Anleitungen, die die Menschheit versteht. Wir sind die Guten! Woher die schlechten Anleitungen kommen, erkläre ich ein anderes Mal. 😊

 

Nun wächst der Bedarf an guten Anleitungen ständig, da natürlich auch die Entwicklung von Produkten, Verfahren und Technologien stetig weiter vorangetrieben wird. Eine wirklich gute Anleitung zu schreiben, ist gar nicht so einfach, wie es sich vielleicht zu Beginn anhört. Jeder der schon einmal in den Genuss gekommen ist, „mal schnell eine Anleitung zu schreiben“, weiß wovon ich rede. Und nicht umsonst veröffentlichen wir in unserem Blog mittlerweile auch Ratschläge und Tipps zu diesem Thema. Ein Technischer Redakteur sollte, wie es der Name schon sagt, ein sehr gutes technisches Verständnis haben und auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen können.

 

Technische Zusammenhänge müssen wir zügig erkennen, da wir unsere Informationen direkt aus der „Technik“ besorgen.

 

 

Konstrukteure, Techniker, Elektriker und Maschineneinrichter sind unsere besten Freunde

 

maschinenbau technischer redakteur

Denn sie stellen uns Redakteuren im Idealfall alle notwendigen Materialien zur Verfügung; das können Zeichnungen sein, Schaltpläne, 3D-Daten oder manchmal einfach nur Fotos. Da unsere Gesprächspartner ihre Prioritäten in das Konstruieren und Entwickeln von neuen Produkten setzen, können sie uns nicht immer ein Produkt bis ins kleinste Detail erklären. Daher muss man als technischer Redakteur zügig technische Zusammenhänge erfassen und kombinieren können.

 

Nun folgt der nächste Schritt in der Arbeit eines Technischen Redakteurs. Wir recherchieren in Wissensdatenbanken, Internetseiten und durchforsten nicht zuletzt unser eigenes Gehirn und unsere Berufserfahrung nach Regeln der Technik, die für unser neues Produkt gelten.

 

Eines der wichtigsten Regelwerke für die Arbeit eines Technischen Redakteurs ist die Maschinenrichtlinie. Das ist Richtlinie 2006/42/EG des europäischen Parlaments und des Rates vom 17. Mai 2006 über Maschinen und zur Änderung der Richtlinie 95/16/EG – ich nenne sie auch gern die „Bibel der Technischen Redakteure“. Neben dieser Richtlinie gibt es noch viele weitere Regelwerke, Gesetze und Normen, zum Beispiel die DIN EN 82079 und die Unfallverhütungsvorschrift (UVV). Aus diesen Schriftstücken leitet ein Technischer Redakteur ab, wie die Anleitung aufgebaut sein muss oder welche Informationen eventuell noch eingeholt werden müssen, um am Ende den Nutzer gut zu informieren und sicher durch die Bedienung des Produkts zu führen.

 

Bevor das eigentliche Schreiben beginnt, analysieren wir die Zielgruppe unserer Anleitung, dementsprechend gestalten wir den Inhalt. Man kann sehr text-lastige Anleitungen schreiben, aber auch eine Anleitung nur mit Grafiken gestalten. Das spart vor allem eine Menge Übersetzungskosten, birgt allerdings andere Herausforderungen. Grafische Anleitungen müssen sämtliche nötige Informationen eindeutig und vor allem unmissverständlich vermitteln. Auch das ist eine Kunst für sich und bedeutet oftmals mehr Arbeit, als zuvor erhofft. Mittlerweile spielt auch das Ausgabemedium eine entscheidende Rolle für die Erstellung unserer Anleitung – Stichwort „mobile Dokumentation“.

 

Früher reichte ein gutes Word-Dokument, ein Highlight war das PDF, vielleicht noch mit einer isometrischen Illustration. Heute drucken wir nicht einfach eine Anleitung über den Drucker aus und legen diese dem Produkt bei – wir publizieren!

 

 

Ein Technischer Redakteur erstellt Texte mit Mehrwert

 

Aus all diesen Informationen erstellen wir dann endlich Texte, die dem Leser einen Mehrwert bieten und die er wirklich lesen möchte. Also achten wir zum Beispiel darauf, nicht zu lange Sätze zu schreiben. Kurze knackige Handlungsanweisungen haben sich hier als sehr praktisch erwiesen. Wenn wir auf Gefahren aufmerksam machen, setzen wir selbst erstellte Sicherheitshinweise an die entsprechenden Stellen. Es gibt mittlerweile eingeführte Standards für die Gestaltung, was uns die Arbeit ein wenig erleichtern.

 

Sobald wir Text mit Grafiken ersetzen oder anreichern können, tun wir dies auch. Das heißt, wir bekommen vom Konstrukteur die Rohdaten und erstellen daraus Grafiken, die Handlungen oder Detailausschnitte zeigen.

 

Je nachdem, wie der Endkunde zum Schluss seine Anleitung zur Verfügung gestellt bekommt, nutzen wir verschiedene Tools zur Erstellung der Anleitung. Über die letzten Jahre haben xml-basierte Redaktionssysteme erfolgreich in nahezu alle großen und kleinen Redaktionen Einzug gehalten. Die klassische Ein-Word-Dokument-Anleitung wurde durch viele kleine Textschnipsel, Module genannt, ersetzt. Aus diesen Textteilchen setzten wir dann die passende Anleitung für jedes Produkt individuell zusammen. So sparen wir Zeit und Kosten und können schon vorhandene Textbausteine nutzen.

 

Allerdings müssen wir auch hier unser Köpfchen anstrengen, denn wenn wir neue Texte erstellen, müssen wir sie charakterisieren. Das heißt, wir legen schon bei der Erstellung der Texte fest, für welche Produkte oder Produktgruppen wir genau diesen Textschnipsel eventuell noch wiederverwenden können. Wenn wir dann die Anleitung publizieren, können wir mit ein paar gut gesetzten Filtern zu jedem Produkt den passenden Textbaustein ausgeben. Die Infos werden als Worddatei oder PDF bereitgestellt oder auch nur als Rohdaten für das Übersetzungsbüro.“

 

So entsteht in liebevoller Arbeit, unterstützt durch viel Kaffee, eine gute Betriebsanleitung.

 

Nicht repräsentative Studien haben übrigens ergeben, dass so gut wie jeder Technische Redakteur ein Problem mit seinem Kaffeekonsum hat. 😊

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